»Im Sinne der Weltanschauung des nationalsozialistischen Staates liegt es nicht, dass das Denkmal eines jüdischen Professors vor der Klinik steht.« (*)

 

Die Installation "Leerstelle Carl Westphal" thematisiert die Demontage eines Monuments für Carl Westphal, welches vor der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité von 1911 - 1940 gestanden hat.

 

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem leerstehenden Sockel entstand im Rahmen eines Seminars, geleitet von Lisa Glauer in Kooperation mit der studentischen Initiative GeDenk.Ort Charité und dem Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Bildenden Künste, Berlin. Hierfür entwickelten die Teilnehmer des Seminars unterschiedliche Szenarien für den besagten Sockel und präsentierten diese im Projektraum OKK - Organ Kritischer Kunst. Begleitend zur Ausstellung ist eine Zeitung mit den Beiträgen der Mitwirkenden erschienen. Die Ausstellung wurde initiiert und maßgeblich unterstützt von Lisa Glauer.

 

Mehr Informationen über

 

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(*)  Zitat von Gustav von Bergmann (1878 -1955) Vgl. Exkurs: Abbau der Denkmale für jüdische Mediziner in der NS-Zeit unter https://denkmaeler.charite.de/westphal/

 

Bild und Text: Tina Griffith

 

 Quelle: © Tina Griffith

 

Die Videoperformance  zeigt eine performative Nacherzählung der überlieferten Geschichte des Verdrängens und Wiederausgrabens vom Monument Carl Westphal (*).

 

 1. Inspektion

 2. Beschluss

 3. Demontage

 4. Eingrabung

 5. Ausgrabung

 

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(*) https://denkmaeler.charite.de/westphal/

Tina Griffith "Leerstelle Carl Westphal" vor der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité, animiertes Still, Videoperformance, 2018

 

Video ansehen unter https://vimeo.com/318799554

TINA GRIFFITH

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Überblick

Tina Griffith „Leerstelle Carl Westphal", Installation, 2018

Die Installation „Leerstelle Carl Westphal“ nimmt direkten Bezug auf die leere Fläche des Sockels. Zu sehen ist eine schwebende Textilie montiert auf einer 40x40cm Grundfläche in 167cm Höhe, der tatsächlichen Aufliegefläche und Höhe des leeren Sockels.

 

Die Textilie, eine Siebdruck/Filz-Collage, ist aufgrund der angebrachten Höhe nicht erkennbar. Erst über eine Trittleiter kann der Betrachter das anamorphe Portrait von Carl Westphal erkennen. Das Portrait kommt einer optischen Verzerrung gleich und kann nur über einen zylindrischen Spiegel decodiert werden.

Die Bezeichnung „Anamorphose“ verweist auf die griechische Bedeutung aná = gemäß/ entsprechend umstellen und morphe = Gestalt/Form und wird mit Umgestaltung übersetzt(1). Dabei findet die Umgestaltung im doppelten Sinne statt; denn auch der Rezipient beteiligt sich an der Erschließung des Dargestellten, indem er seinen Blickwinkel ändert und anpasst(2).

 

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(1)   http://wernernekes.de/00_cms/cms/front_content.php?idart=97#Anamorphose

(2)   http://www.gib.uni-tuebingen.de/netzwerk/glossar/index.php?title=Anamorphose

Tina Griffith „Leerstelle Carl Westphal- ein anamorphes Portrait", Detail der Installation: Assemblage aus Siebdruck, Filz und Aluzylinder.

Ziel der künstlerischen Auseinandersetzung ist die Sichtbarmachung der „Leerstelle Carl Westphals.“ Dabei dient als Ausgangspunkt das Auge als Sinnesorgan und Gegenstand  medizinischer bzw. künstlerischer Forschung. Obschon Westphal sehr vielfältig geforscht und publiziert hat, scheint sein Beitrag zur Forschung an der Reflexkette der Netzhaut des Auges ein signifikantes Moment in diesem Zusammenhang zu sein. Der nach Westphal benannte Nervenkern ist eine Art Schaltzentrale, welche den Lichtimpuls über die Netzhaut empfängt und an den Irismuskel weiter leitet (3).

 

Betrachtet man die Textilie (das anamorphe Portrait) als Netzhaut und den Spiegel als Vermittler (als Verschaltungs-Moment) wird der Rezipient zum aktiv beteiligten Muskel.

 

 

 

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(3) Pupillenlichtreflex http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/357716